Künstler und grosse Namen in Müngersdorf

Josef Haubrich

Ein Leben für die Kunst und für Köln
Der Mäzen und Kulturpolitiker Josef Haubrich wohnte am Kämpchensweg

 

Text: Kurt Schlechtriemen

Fotos: Raumansicht Sammlung Haubrich © Museum Ludwig, Köln | Ute Prang

 

Volltext/PDF BlickPunkt 15

Den Kunstsammler, Stifter, Rechtsanwalt und Ratsherrn Josef Haubrich, am 15. Juni 1889 in Köln geboren, einen Müngersdorfer zu nennen wäre übertrieben. Nein, er war Kölner mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand. Und so, wie er für die ganze Stadt lebte und wirkte, so fühlte er sich dem Ganzen verbunden. Dennoch ließ er sich, nachdem er als Kind am Mühlenbach, später in Klettenberg und lange in Marienburg gewohnt hatte und nachdem er auf ein sehr beachtliches Lebenswerk zurückblicken konnte, hier am Rande des Grüngürtels am Kämpchensweg 1 nieder. Dort hat er sich 1951/52 von dem Architekten Wilhelm Riphahn sein heute halb durch Baumgrün verdecktes auffälliges Wohnhaus im Stil des Neuen Bauens der 20er Jahre errichten lassen. Dort lebte er nach großbürgerlicher Art bis zu seinem Tod am 5. September 1961.

Frühe Hinwendung zum Expressionismus

Josef Haubrich hat die Kunstszene um die Jahrhundertwende hellwach und aktiv verfolgt, sodass er schon früh über ansehnliche Kunstkenntnisse verfügte. Er favorisierte eindeutig die expressionistische Kunst. Während der Kriegsjahre 1914–18 waren die Preise gering: Für einen halben oder ganzen Dollar, den Gegenwert eines Polstersessels, kaufte Haubrich zum Beispiel Aquarelle von Otto Dix und Emil Nolde. Anfang der Zwanziger freilich wurde es teurer: James Ensors „Mädchen mit der Puppe“ und ein weiteres Bild kosteten zehntausend Goldmark – den Gegenwert von drei bis vier Villen.

Nicht nur als Jurist, auch als Sammler und Kunstkenner hatte sich der junge und extravertierte Rechtsanwalt einen Namen gemacht. Er verdiente sehr gut bei Scheidungsprozessen wohlhabender Kölner und als Kunstsachverständiger, zum Beispiel für Emil Nolde. Dadurch ergaben sich Verbindungen und Freundschaften zu Künstlern wie Otto Dix, Ewald Mataré, Oskar Kokoschka, Gerhard Marcks. Marc Chagall besuchte er im Pariser Atelier und kaufte „Das gelbe Haus“ von der Staffelei weg. Josef Haubrich wurde bald unübersehbarer Bestandteil der schon damals gewichtigen Kölner Kunstszene – unter anderem war er Vorstandsmitglied des Kölnischen Kunstvereins.

Die "Sammlung Dr. Haubrich"

Nach 1945 drohten seine Kunstwerke im Verlauf der wirren Besatzungszeit verloren zu gehen. Diese drohende Gefahr veranlassten Josef Haubrich, die Gemäldesammlung der Stadt Köln zu übereignen. Hochbeglückt nahm Oberbürgermeister Hermann Pünder am 2.  Mai 1946 das Geschenk an. In seiner Dankesrede hieß es enthusiastisch: „Die Schenkung dieser hervorragenden Sammlung wird Köln wahrscheinlich an die Spitze aller deutschen Gemäldesammlungen moderner Kunst stellen.“  Im Stadtrat wählte man Haubrich zum Vorsitzenden des Kulturausschusses. Zum Zeitpunkt der Übereignung an die Stadt bestand die Sammlung aus 378 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Skulpturen. Später wuchs sie auf 660 Objekte an. Dabei handelte es sich vorwiegend um expressionistische Künstler, von denen hier einige genannt werden: Emil Nolde, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, August Macke. Ab Oktober 1946 war die nun der Stadt Köln gehörende Bilderschau zum ersten Mal in der Alten Universität der Öffentlichkeit zugänglich. Die Kölner zeigten trotz des Nachkriegselends allergrößtes Kunstinteresse. Zu den Besuchern zählte auch der damals 23jährige Peter Ludwig, Namensgeber des heute in der Kunstwelt hoch angesehenen „Museum Ludwig“.

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