Künstler und grosse Namen in Müngersdorf

Oswald Mathias Ungers

Das Katzentürchen in der Mauer hat
der Herr Architekt einfach vergessen!


Anton Bausinger und Kurt Schlechtriemen im Gespräch
mit Lieselotte Ungers

über ihr Leben mit "OMU"

 

BlickPunkt 9

Oswald Mathias Ungers ( Kürzel "OMU") war ein bedeutender deutscher Architekt und Architekturtheoretiker. Für den auch außerhalb Deutschlands bekannten Architekten standen in Fachkreisen und Publikationen die Initialen "OMU" seines Namens als Trademark für die Kompromisslosigkeit seiner Baukunst. Ungers’ Bauten zeichnen sich durch strenge geometrische Ordnungsraster aus. Grundlegende gestalterische Elemente seiner Architektur sind elementare Formen wie Quadrat, Kreis bzw. Kubus und Kugel. Das Lebenswerk des Architekturtheoretikers und Hochschullehrers umfasst mehr als 35 Bauten, u. a. das Wallraf-Richartz-Museum in Köln, das Torhaus Frankfurter Messe, die Hamburger Kunsthalle, die Trierer Kaiserthermen/Eingangsbereich.

Ihren Mann lernt Lieselotte Ungers 1956 in Köln kennen. Hier studiert die Tochter des Wuppertaler Bauunternehmers Gabler Betriebswirtschaftslehre. Eine Freundin bittet sie zur Party mit verheißungsvoller Bemerkung. „Da kommt ein ganz toller Typ.“ Solch einer ist Oswald Mathias Ungers denn auch: „Ein intelligenter, eloquenter Mann, mit dem ich gleich ins Gespräch komme“, erinnert sich Liselotte Ungers, "und er fährt mich am Ende des Abends in seinem Auto nach Hause." Im gleichen Jahr, 1956, wird geheiratet.
Zuerst wohnen sie auf der Venloer Straße und es sieht anfangs finanziell gar nicht rosig aus. Wir fragen gezielt, was den Ausschlag gab, in Müngersdorf an der Belevederestraße das erste gemeinsame Wohnhaus zu bauen. Lieselotte Ungers: „Wir hatten zu entscheiden, Marienburg oder Müngersdorf“ und meint, "es war wohl die ländliche, damals noch bäuerliche Atmosphäre von Müngersdorf, die uns bewog, hier zu bauen."

Spiel mit dem Quadrat
Es ist die Bibliothek, in der wir uns gegenübersitzen, sie nimmt zwei Geschosse ein. An den Wänden nur Bücher, keine Bilder und durchgängig das „Spiel mit dem Quadrat“, durch das Oswald Mathias Ungers berühmt wurde. Bis hin zu den Sitzmöbeln. Vor den Fenstern zur Rückfront befinden sich etliche Stelen. Lieselotte Ungers' Blumen auf dem Tisch sind der einzige Schmuck in diesem Raum. Wir sprechen über die Stationen, die sie mit ihrem Mann durchlebt hat, über Berlin, über Amerika.

Zukunftsweisende Anekdote
Inzwischen hatte sich Oswald Mathias Ungers einen Namen gemacht, das Kürzel „OMU“ war bereits zu einem Markenzeichen geworden. Und so erhielt er einen Ruf an die TU Berlin. Sie hat ihren Mann dazu überredet, die Berliner Stelle anzunehmen. Der Umzug erfolgt 1963. Ungers' haben sich in der Hauptstadt "dann aber doch nicht besonders wohlgefühlt". Es ist die Zeit der Studentenrevolten, die sich gegen damalige Bau- und Wohnformen richtet, unter anderem auch gegen eine von Ungers in Berlin realisierte Wohnsiedlung. Dazu erzählt sie diese richtungsweisende Anekdote: Von studentischer Unruhe getrieben legt ein Studierender dem Ordinarius Ungers ein leeres Blatt Papier als "Diplomarbeit" vor und verlangt dafür triumphierend ein „Sehr gut“. Im Gespräch mit seiner Frau beschließt Ungers, Berlin Richtung USA zu verlassen um im Staat New York eine Professur für Architektur anzunehmen.

Lieselotte Ungers hat ihrem Mann „nie irgendwie dazwischen geredet“. Sie teilt und unterstützt seinen Wunsch nach beruflichem Weiterkommen. Sie hat „das Büro geschmissen“, kümmert sich um Mitarbeiterfragen und Öffentlichkeitsarbeit, beteiligt sich bei Auswahl und Ordnen der Kunst- und Literatursammlungen. Das führt zu enger Verbundenheit: „Ohne mich ging mein Mann nirgendwohin, nicht mal zum Friseur.“

Zweitausend Jahre abendländischer Baugeschichte
Nebenbei erwähnt Lieselotte Ungers, dass sie während ihres USA-Aufenthalts zwei Bücher schreibt. Das Taschenbuch „Kommunen in der Neuen Welt 1740 - 1971“, Ko-Autor Oswald Mathias Ungers, erscheint 1972 bei Kiepenheuer & Witsch. Der Titel befasst sich mit alternativen Formen menschlichen Zusammenlebens. Im Buch „Über Architekten“, 2002 bei Dumont verlegt, beschreibt Lieselotte Ungers Leben und Werk berühmter Baumeister von der Antike bis zur Gegenwart. Dies ist im eigentlichen Sinne eine umfassende Einführung in zweitausend Jahre abendländischer Baugeschichte. Sie ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich die Autorin mit Leben und Werk ihres Mannes identifiziert.
Wir fragen nach dem Familienleben, nach den Wochenenden, nach den Urlauben und erfahren, Lieselotte Ungers ist an Sonntagen oft allein: "Zu Hause sitzt er stets im Arbeitszimmer, schreibt Vorträge, plant Architekturprojekte."

Betroffener Blick
Beim Hinausgehen lassen wir noch einmal das Unger'sche „Musterhaus“ auf uns wirken: Die Architektur erscheint als „ein allseitig abgeschliffener Kubus aus dem Geiste der Mathematik, gefühlsbefreit, rein und klar wie ein Kristall im Licht“ (Zitat Martin Kieren). Nicht ohne Ironie erklärt Lieselotte Ungers beim Abschied : „Meine einzige Bitte, ein Katzentürchen in der Mauer vorzusehen, hat der Herr Architekt bei der Planung einfach vergessen!"  Betroffen blickt Gesprächspartner Anton Bausinger in die Runde: Die Bauausführung für das Ungers'sche Wohnhaus erfolgte damals unter seiner Leitung.

Oswald Mathias Ungers, geboren am 12. 7. 1926, starb am 30. 9. 2007.

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