Ortsgeschichte | Gutshöfe

Gutshöfe in Müngersdorf

Noch existierende Hofanlagen

 

Text: Joseph Koerfer

BlickPunkt 10 | 2007

2 | Hermannshof oder Hartzheimshof

Wendelinstraße 87

In einem Register des Kölner Apostelstiftes aus dem Jahre 1581 ist der „Hermannshof in Müngersdorf" schon verzeichnet. Während der Franzosenzeit kam der Hof in den Besitz des Staates und später wieder nach St. Aposteln. Er umfasste im Jahre 1802 fünfzig Hektar Grundbesitz. Der Pächter war Heinrich Pesch.

Am 13.5.1822 kaufte M. H. Herriger, wahrscheinlich ein Nachfahre des  Johann Herriger (Halfe am Statthaltershof und Gerichtsschöffe zu Junkersdorf), den Hof für 27.740 Francs und verkaufte ihn 1826 an Johann Mathias Decker, Bierbrauer zu Köln, verheiratet mit M. Eva Pesch vom „Hermannshof zu Müngersdorf", der Tochter des früheren Pächters. Anschließend war Jakob Peffgen, verheiratet mit Adelheid Claren vom Clarenhof, Eigentümer des Hermannshofes. Peffgen ließ die urspünglich zur Straße hin offene, wohl in Fachwerk errichtete Hofanlage abreißen und errichtete 1858 das jetzige Wohngebäude mit Stallungen in Backstein.
Durch Heirat mit Sibilla Peffgen (Tochter des Jakob Peffgen) am 8.6.1860 wurde Heinrich Hartzheim vom Stöckheimer Hof (geb. 1835) Besitzer des Hermannshofes. Heinrich Hartzheim ließ später den Hof mit dem großen Garten zwischen Wendelinstraße, Neuer Grüner Weg, Grüner Weg und Alter Militärring mit einer über zwei Meter hohen Ziegelsteinmauer, die ein Vermögen gekostet hat, umgeben. Ein Teil der Mauer ist am Alten Militärring und Grüner Weg noch erhalten.

Nach dem Tode von Heinrich Hartzheim (1899) übernahm zunächst ein Pächter und ab 1902 sein Sohn Heinrich Joseph, geboren 1864 in Müngersdorf, die Bewirtschaftung des Hofes. Er heiratete 1900 die Lehrerin Maria Walter, die an der Volksschule Müngersdorf, Ringstraße 19, tätig war. Das Schulgebäude wurde ab 1905 nach Neubau der Schule in der Wendelinstraße in ein Wohnhaus umgebaut, später war es Jugendheim der Pfarre St. Vitalis und ist heute Stadion-Apotheke und Ärztehaus.
Heinrich Joeph Hartzheim, von den alten Müngersdorfern „et Heinche" genannt, starb 1936 und ist im Familiengrab auf dem Müngersdorfer Friedhof  beigesetzt.

Der jetzige Eigentümer des Hauses Wendelinstraße 87 fand vor Jahren im Garten hinter dem Wohnhaus den Schlussstein eines gemauerten Torbogens mit folgender Inschrift:
J.  P. | A.  K. |  1 8 5 8
Der damalige Besitzer Jakob Peffgen, verheiratet mit Adelheid Klaren, hat diesen Stein sehr wahrscheinlich 1858 beim Bau des Hofes an der Hofeinfahrt anbringen lassen. Der Stein befindet sich jetzt eingemauert links neben der Einfahrt zum Hof.

 

Teile der Hofanlage „Hermannshof" wurden 1996 in das Denkmälerverzeichnis eingetragen.

 

Der Hermannshof ist eine von 18 Stationen des Kulturpfad Müngersdorf.

3 | Marienhof oder Alter Petershof

Wendelinstraße 67
Das zu Beginn der 1980er-Jahre umfassend von Peter Meßler restaurierte Wohnhaus Wendelinstraße 67 war das Herrenhaus des ehemaligen Petershofes, der in Urkunden auch Marienhof genannt wird.
Das Herrenhaus mit fünf Fensterachsen und betonter Mittelachse, zweigeschossig und mit einem Satteldach versehen, wurde 1792 errichtet. Die Außenwände sind massiv aus Feldbrandsteinen gemauert. Die Fenster des Erdgeschosses sowie der mittige Hauseingang mit einer darüber liegenden Nische sind mit Werksteinfassung versehen. Die Haustüre ist original, die Fenster sind stilentsprechend erneuert worden, während die Dachhäuschen nachträglich eingebaut wurden. Die Rückfront wurde mit drei Fenstertüren verändert und das rückwärtig sich anschließende eingeschossige Wirtschaftsgebäude zu Wohnzwecken umgebaut. Im Inneren sind noch ein Tonnengewölbe mit Keller, der Steinboden in der Diele und einige Kölner Decken original erhalten.

Vermutlich schon 1262 kam dieser Hof durch Schenkung in den Besitz des Kölner Apostelstifts. (Im Jahre 1580 besaß das Stift St. Aposteln bereits vier Höfe in Müngersdorf, unter anderem den Hermannshof, Clarenhof und Marienhof; diese waren gegenüber einem "Fronhof" abgabepflichtig.) Es spricht manches für die Vermutung, dass der Marienhof die Funktion dieses Fronhofes besaß. Das Anwesen wurde in napoleonischer Zeit verstaatlicht. 1820 verkaufte ihn die Preußische Domänenverwaltung an die Kölner H. Grüntgen und J. Boirmond für 22.000 Reichtsthaler. In Grevens Adressbuch von 1892 wird der Hof noch unter Dorfstraße 46 geführt und die Witwe Elven als Eigentümerin und ein Pächter namens Geuer angegeben. Durch den Neubau des benachbarten Petershofes auf dem Gelände Belvederestraße 17 im Jahre 1896 wurde der Marienhof seiner ursprünglichen Funktion enthoben. Dabei wurden die an der Straße gelegenen einstöckigen Wirtschaftsgebäude der fränkischen Hofanlage um 1900 für den Bau der heutigen Wohnhäuser Belvederestraße 1-3 abgerissen.

Noch bis etwa 1900 wurde der Hof landwirtschaftlich genutzt. Danach kaufte der Metzgermeister Jakob Hackenbroich das Haus, der dort bis Ende des letzten Krieges  eine Metzgerei hatte. Die im hinteren Hofgelände stehende Scheune wurde noch bis zum Bau der Straße "Am Petershof" im Jahre 1955 benutzt. Seit Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist Familie Meßler Besitzer des Hauses.

 

Das Wohnhaus des Marienhofs (ehemalige Hofanlage) wurde 1981 in das Denkmälerverzeichnis der Stadt Köln eingetragen.

 

Der Marienhof ist eine von 18 Stationen des Kulturpfad Müngersdorf.

4 | Petershof

Belevederestraße 17
Die Neuanlage des Petershofes erfolgte 1896. Sie wurde als geschlossene Hofanlage aus Backstein auf einer leichten Anhöhe errichtet und mit einer hohen Backsteinmauer umfriedet. An der Kreuzung Belvederestraße und Lövenicher Weg markiert eine unter Naturschutz stehende Rosskastanie eindrucksvoll die Grundstücksgrenze. Damaliger Eigentümer waren der Bankdirektor Ernst König und ab 1923 die Stadt Köln; Pächter war Leo Lintermann. Das Herrenhaus wurde ab 1926 einige Jahre von der Witwe und den Kindern des verstorbenen Regierungspräsidenten Dr. Sigmund Graf Adelmann zu Adelmannsfelden bewohnt.

Ab 1945 sind in dem Wohngebäude eine städtische Kindertagesstätte und im Hof mit den Wirtschaftsgebäuden Werkstätten des Grünflächenamtes untergebracht.

Die Hofanlage Petershof wurde 1981 in das Denkmälerverzeichnis der Stadt Köln eingetragen.

 

Der Petershof ist eine von 18 Stationen des Kulturpfad Müngersdorf.

5 | Clarenhof oder Kleinshof

Wendelinstraße 61
Der Clarenhof, der in geschichtlichen Darstellungen über Müngersdorf auch oft als "Kleinshof" bezeichnet wird, liegt direkt gegenüber dem Hauptportal der Kirche.  
1799 wurde in einem Register des Kölner Apostelstiftes der Landwirt Lambert Claren als "Kleinshalfen"verzeichnet. Daraus ist zu schließen, dass dieser Ländereien eines Kleinshofes bewirtschaftete. In Bocklemünd bestand ein Kleinshof, der in der Müngersdorfer Gemarkung Ländereien besaß.
Die ursprünglich an dieser Stelle stehende alte fränkische, zur Straße hin geöffnete Hofanlage in Fachwerk-Bauweise wurde abgerissen und um 1860 das heutige Wohngebäude an der Straße mit den Wirtschaftsgebäuden neu errichtet. An dem Haus war ein großer Garten, der an das heute noch stehende alte Backsteinhaus, Wendelinstraße 51, grenzte. Eine über zwei Meter hohe Ziegelsteinmauer entlang der Wendelinstraße schützte das Grundstück. 1892 wird Leonard Lintermann der Eigentümer, der auch den Petershof und den Hof Belvedere bewirtschaftete. Später übernahm sein Sohn Joseph Lintermann das Anwesen. Dessen Tochter Gertrud Lintermann heiratete den Pächter des Keuchhofes in Lövenich, Alexander Josef Keller, geboren 1869 auf Burg Neumerbern bei Merkstein (Kreis Aachen), und übernahm damit den Clarenhof, den seine Frau nach dem Tode ihres Vaters geerbt hatte. Sein älterer Bruder Lambert Keller war durch Heirat mit Gertrud Paeffgen (1887) vom gegenüberliegenden Kirchenhof sein Nachbar. Josef Kellers Sohn, Leo Keller, 1900 geboren, hat Haus und Geschäftsbetrieb übernommen. Das Geschäft wurde nach und nach auf den Handel mit Briketts und Kohlen, Torf und Düngemittel, Gartenbedarf und Saatgut erweitert. Jetziger Inhaber des Unternehmens ist Leo Kellers Sohn Alexander, geboren 1929.
Das in Backstein errichtete Wohngebäude wurde vor vielen Jahren verputzt und daher nicht als Baudenkmal anerkannt.

Gutshöfe in Müngersdorf | Einführung

 

Die noch vorhandenen Höfe sind:

1 | Kirchenhof | Wendelinstraße  48

2 | Hermannshof oder Hartzheimshof | Wendelinstraße 87

3 | Marienhof oder Alter Petershof | Wendelinstraße 67
4 | Petershof | Belevederestraße 17
5 | Clarenhof oder Kleinshof | Wendelinstraße 61

 

Nicht mehr vorhandene Hofanlagen:
6 | Le-Maire-Hof oder Dohmshof
7 | Herrigerhof oder Türkshof | Belvederestraße 32/Ecke Herrigergasse
8 | Gut Belvedere | Belvederestraße 149
9 | Morsdorfer Hof
10 | Schafshof | Wendelinstraße 64

Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V.
Kirchenhof 4
50933 Köln

www.bvm.koeln

info@bvm.koeln

Mitglied werden

Dabei sein:

Werden Sie Mitglied im  Müngersdorfer  Bürgerverein. Wir freuen uns über jeden Förderer und jeden Aktiven.

Archiv Blickpunkt

Hier das Archiv unserer Print-Ausgaben des Magazins "Blickpunkt Müngersdorf"

Unsere Publikationen

Wege zu Geschichte und Kultur unseres Stadtteils

Wir stellen Ihnen 74 ausgewählte Stationen vor und führen Sie auf drei Wegen durch Müngersdorf.

Opfer des National-sozialismus in Köln-Müngersdorf
Betroffene und Zeitzeugen kommen zu Wort.