Ortsgeschichte | Naturdenkmal Terrassenkante

Die Mittelterrassenkante in Müngersdorf

Entstehung, Bedeutung, Entwicklungsmöglichkeiten

 

Text: Dr. Reinhard Zeese

Foto: Ute Prang | Karte - Stadt Köln | Grafiken - Reinhard Zeese

 

Beitrag aus BlickPunkt 26

 

Es war ein langer Weg, bis die Terrassenkante in Müngersdorf als schützenswertes Naturdenkmal bewertet und eingestuft wurde. Wesentliche Gründe für die Unterschutzstellung waren (zusammengefasst nach Amtsblatt der Stadt Köln, ausgegeben am 29. April 2015, Seite 198 f.):

• die wissenschaftliche und naturgeschichtliche Bedeutung der Terrassenkante der Unteren Mittelterrasse,
• die Seltenheit gut erhaltener derartiger Strukturen im bebauten Stadtgebiet von Köln und
• die Eigenart der artenreichen Gehölz- und Saumgesellschaften im ehemaligen Prallhangbereich.

 

 

Durch die Unterschutzstellung bleibt das Geotop, auch wenn es mit 2,2 ha (Abbildung links) lediglich einen kleinen Ausschnitt einer Aufschüttungs-Flussterrasse (Abbildung oben) umschließt, als wichtiger Erzählort erhalten.
Geschützt sind neben der Terrassenkante auch der Terrassenhang unterhalb der Kante, die Terrassenfläche westlich der Kante in einem maximal 20 Meter breiten Streifen sowie der darunterliegende Terrassenkörper aus der vorletzten Eiszeit.


Entstehung
Die Terrassenkante selbst entstand, nachdem sich der Rhein in der letzten Eiszeit zunächst in ältere Ablagerungen eingetieft hatte und dann im besonders kalten Hochglazial erneut aufschüttete. Damals floss der Rhein durch eine weitgehend baumfreie subpolare Tundra. Bis auf eine sommerliche Auftauzone von maximal zwei Metern Tie-fe war der Untergrund dauernd gefroren (Permafrost). Im Winterhalbjahr war auch der Rhein zugefroren. Wahrscheinlich führte er, wie heute viele Flüsse im Polargebiet, nur im Sommer Wasser. Das Frühjahrshochwasser bedeckte ein bis über 10 Kilometer breites Flussbett (Abbildung Seite 20). Der Rhein war ein Wildwasserfluss mit zahlreichen ineinander verflochtenen Gerinnen. Sein Bett verbreiterte er durch Seitenero-sion. Im Eisgang zu Beginn und am Ende des Winters trieben in Eisschollen eingefrorene, oft tonnenschwere Gesteinsblöcke (Driftblöcke) den Fluss hinunter und sanken beim Abtauen auf den Grund. Da nach dem Ende der letzten Eiszeit noch eine von zahlreichen Rheinrinnen am Fuß des Terrassenhanges verlief und am Außenrand einer Windung einen Prallhang bildete, wurde dieser Hang weiter steil gehalten.


Bedeutung
Bezieht man die Bildung des Terrassenkörpers aus der vorletzten Eiszeit in die Betrachtung mit ein, so umspannt das Geotop „Mittelterrassenkante in Müngersdorf“ rund 200 000 Jahre Landschaftsgeschichte.
Die Terrassenkante trennt zwei sehr unterschiedliche Naturräume voneinander. Im Westen die lössbedeckte Mittelterrassenlandschaft (Brauweiler Lössplatte) und im Osten die lössfreie, von Rinnen und der Rheinaue durchzogenen Niederterrassen (Kölner Rheinebene).
Die Naturraumgrenze fungierte als bedeutende Leitlinie der frühen Besiedlung durch den Menschen.
Das auffällige landschaftsarchitektonische Strukturelement von Terrassenkante und Prallhang, das fünf bis acht Meter, gelegentlich über zehn Meter aus der Rheinebene aufsteigt, erlaubte eine weite Sicht über die Rheinebene und die Heide-terrassen bis zu den Bergischen Randhöhen.


Entwicklungsmöglichkeiten
All diese Zusammenhänge lassen sich über Informationsträger vor Ort, in Printmedien oder im Internet vermitteln. Direkt an der Terrassenkante und am Terrassenhang  sind die Möglichkeiten jedoch eingeschränkt. Die Erlebbarkeit kann etwas verbessert, die Entstehung und Bedeutung der Aufschüttungs-Flussterrasse über Informationstafeln deutlich gemacht werden.

• Die Terrassenfläche (Belvederepark) kann zur Erlebnislandschaft und zum außerschulischen Lernort gestaltet werden.
• Am Belvedere „Domblick“ erlaubt das Panorama, das sich nach Osten bietet, einen größeren räumlichen Zusammenhang („Flussterrassenlandschaft Kölner Bucht“) zu vermitteln.
• Am Belvedere „Blickfang“ ließe sich eine „Driftblockwiese“ („Geo-Erlebniswiese“) verwirklichen.

Die Umsetzung dieser und weiterer Vorschläge wird einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung und Freizeitgestaltung liefern.                                        

 

Flussterrassenlandschaft Kölner Bucht

Die Rheinebene – weichselzeitliches Hochflutbett und holozäne Rinnen

Die Untere Mittelterrasse in der Kölner Bucht ist Teil einer Terrassentreppe, die von der Rheinaue linksrheinisch hoch zur Ville führt und rechtsrheinisch den Anstieg zum Bergischen Land bildet.
Flussterrassen entstehen im zyklischen Wechsel von Eintiefung und Aufschüttung durch den Fluss. Es sind Reste ehemaliger Talsohlen, die selbst bei extremem Hochwasser nicht mehr vom Fluss überflutet werden können und einen bestimmten Abschnitt der Flussgeschichte dokumentieren. Das ist die Sicht der Geomorphologen, jener Gruppe von Geowissenschaftlern, die sich um die Erforschung der Oberflächenformen kümmern. Geologen dagegen fokussieren ihr Interesse auf den Terrassenkörper, seinen Inhalt und seine Altersstellung. Nach derzeitigem Forschungsstand liegen zwischen der Mittelterrassenkante in Müngersdorf und dem Rand der Ville sechs Terrassenkörper, die alle dem Mittelterrassenkomplex zugerechnet werden, jeweils durch eine Abtragungsdiskordanz voneinander getrennt sind und jeweils einer Kaltzeit/Eiszeit zugeordnet werden. Es sind jedoch lediglich zwei Mittelterrassenkanten zwischen Müngersdorf und der Ville zu finden. Ein Grund dafür ist die weitgehende Überdeckung mit Löss, einem Staubsediment, das in trockenkalten Abschnitten der Eiszeiten aus vegetationsfreien Flächen (Geröllfelder der Flussbetten, Frostschuttzone und sonstige ungeschützte Flächen) ausgeweht und in der Grastundra absedimentiert wurde.
Ein relativ steiler Hang führt in Müngersdorf von der Terrassenstirn (Terrassenkante), der jüngsten dieser Mittelterrassen, zu den fünf bis acht Meter tiefer liegenden Niederterrassen (Kölner Rheinebene) aus der letzten Eiszeit, die vor 115 000 Jahren begann, ihr Maximum im Hochglazial vor etwa 20 000 bis 18 000 Jahren hatte und vor etwa 12 000 Jahren endete.
Nachdem sich der Fluss in den feuchteren Abschnitten der letzten Eiszeit eingetieft hatte, sedimentierte er bis zum Ende des Hochglazials erneut bis maximal 20 Meter mächtige Ablagerungen. Durch erneute Eintiefung entstand daraus im Spätglazial die Ältere Niederterrasse. In diese eingebettet ist der gegen Ende der Eiszeit (Jüngere Dryaszeit) gebildete Terrassenkörper der Jüngeren Niederterrasse, in die der Rhein seine Aue und eine Reihe frühholozäner Rinnen eingesenkt hat, die teilweise noch heute im Stadtbild zu erkennen sind. Bei extremen Hochwasserspitzen können sie ohne Schutzmaßnahmen teilweise vom Rhein überflutet werden.

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