Soziales - Gemeinschaftsgrundschule Müngersdorf

Abschied von der Schulleiterin Maria Perschke

 

Text + Fotos: Lorenz Kahlke

 

Beitrag aus BlickPunkt 21

Eine Ära geht zu Ende

Maria Perschke inmitten ihrer Schülerinnen und Schüler

 

Nach 34 Jahren Tätigkeit an der Müngersdorfer Grundschule, davon 15 Jahre als Schulleiterin, wird Maria Perschke am 31. Januar 2013 aus dem Dienst scheiden. Der Abschied wird zusätzlich dadurch erschwert, dass eine Neubesetzung der frei werdenden Stelle nicht absehbar ist.
Die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Müngersdorf mit ihrer zum Alten Militärring blickenden Backsteinfassade darf schon allein optisch als „Dorfschule aus dem Bilderbuch“ gelten und ist aus dem Müngersdorfer Kern nicht wegzudenken. Fest verknüpft mit der Schule wiederum ist für viele Müngersdorfer der Name Maria Perschke: Die gebürtige Essenerin hat seit 1997 als Schulleiterin maßgeblich dazu beigetragen, dass der freundliche, familiäre Charakter einer Dorfschule erhalten blieb, ohne den Anschluss an Modernes verpasst zu haben. Ihren Erfolg dankt Perschke zum einen ihrem heiteren, charismatischen Wesen, das die ihr eigene, mitunter derbe Direktheit des Ruhrgebiets bestens ergänzt. So entfährt ihr schon mal ein wutschnaubendes „Et is manchmal wie in Schilda!“, wenn etwa Steuergelder für den frischen Anstrich derjenigen Wände verwendet wurden, die kurz darauf für die Verlegung neuer Leitungen wieder aufgeschlitzt werden sollen. Zum anderen gilt für ihre gesamte Zeit als Pädagogin: Die Kinder lieben „ihre Frau Perschke“. Und dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Frau Perschke liebt „ihre Kinder“, und das trotz der langen Amtszeit nach wie vor spürbar von Herzen.
Wie sehr ein solch frühes positives Verhältnis im Schulrahmen Kinder beeinflussen kann, erfuhr Perschke zum diesjährigen St.-Martins-Fest. Ein knappes Dutzend Mädchen und Jungen des aktuellen Abiturjahrgangs, allesamt ehemalige Müngersdorfer Grundschüler, besuchten ihre vormalige Schulleiterin und überreichten ihr einen großen Blumenstrauß und eine Schachtel Pralinen, auf der stand: „Vielen Dank für die schöne Zeit.“ Dass eine schöne Zeit auch mit fachlichem Erfolg einhergehen kann, zeigt sich nicht zuletzt im jährlichen landesweiten VERA-Vergleich der 3. Klassen. Hierbei schneidet die GGS Müngersdorf regelmäßig überdurchschnittlich ab – woran natürlich das gesamte Schulkollegium Anteil trägt.


Ersatz ist nicht in Sicht
In Müngersdorf wird es schwerfallen, sich die Grundschule ohne ihre langjährige Schulleiterin vorzustellen. Dieser Umstand wird noch zusätzlich erschwert: Seit Mai 2012 ist die bald vakante Stelle ausgeschrieben, bislang jedoch ohne Bewerbungen. Sollte sich das bis Februar nicht ändern, würde dem Schulamt zufolge jemand aus dem Kölner Westen für sechs Wochenstunden die Verwaltung übernehmen, während die restliche Arbeit innerhalb des Kollegiums aufgeteilt werden müsste. Sucht man nach Gründen für die fehlenden Bewerbungen, verweist Perschke auf gut 20 weitere Kölner Grundschulen, die sich teils seit Jahren mit unbesetzten Leiterstellen durchschlagen, und legt dar, dass die nur marginal höhere Besoldung in keinem Verhältnis zu Arbeitsaufwand und Verantwortung einer Schulleiterin stehe. Gleichzeitig äußert sie Verständnis dafür, dass auch aus ihrem Kollegium niemand dazu bereit ist, die Schule kommissarisch zu leiten. Für die betreffende Lehrerin hieße dies nämlich zwangsläufig, ihre Klasse nicht mehr so unterrichten zu können, wie es notwendig wäre. Laut Schulleiterin Perschke ist allein die Menge an Arbeit neben dem alltäglichen Schulbetrieb stetig gewachsen; eine zunehmende Fülle an weiterzuentwickelnden Konzepten und Curricula sowie ebenso sinnvolle Neuerungen wie Fluchtwegepläne oder der auch für Grundschulen vorgeschriebene Notfallplan für Amokläufe bedeute Aufwand. Fest steht, dass die berufliche „Überzeugungstäterin“ Perschke eine Idealbesetzung war. Sie sah sich ihrem Beruf und den Kindern mitunter derart verpflichtet, dass Hausmeister Stollenwerk einmal vorschlug, sie solle sich doch am besten auch ein Bett in die Schule stellen.
Rückblickend ist es Maria Perschke wichtig zu betonen, dass es stets eine gute Zusammenarbeit und Unterstützung seitens der Eltern gegeben habe, was für sie nicht selbstverständlich und sehr hilfreich gewesen sei. Ihr Abschiedswunsch für Müngersdorf und seine Bürgerinnen und Bürger ist, „dass die Schule weiterhin gut geführt wird und so, wie sie ist, erhalten bleibt, als Dorfschule“. Daraufhin befragt, was sie in Zukunft ganz sicher nicht vermissen werde, muss Perschke zunächst ein wenig grübeln. „Das Telefon!“, platzt es dann unter Lachen aus ihr heraus, „und die vielen überflüssigen E-Mails, die jeden Tag kommen.“
Für den Wechsel in den anstehenden wohlverdienten Ruhestand kann sich Schulleiterin Maria Perschke in jedem Fall des herzlichen Danks und der besten Wünsche ihrer ehemaligen Schützlinge samt Eltern sicher sein. Sie freut sich nun erst einmal darauf, „nicht immer alles nur in Hetze zu machen und meinen Garten und mein Zuhause zu genießen“. Hinzu fügt sie: „Und dann, denke ich mal, wird mich irgendwann irgendwas wieder in die Schule treiben.“ Vorstellen könne sie sich zum Beispiel: „Die Nachhilfe geben oder Hausaufgaben-betreuung, wenn ich gefragt werde – denn mit Kindern arbeite ich ja nach wie vor gerne“.

Bürgerverein Köln-Müngersdorf e.V.
Kirchenhof 4
50933 Köln

 

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