Vier-Türme-Tour

Sehens- und Wissenswertes am Wege

Karten: L.E.B. (a)

Fotos: Ute Prang

weitere Fotos: MPI (h) | Monika Frei-Herrmann (a) (k)

Blick auf Köln von der Terrassenkante

a | Mittelterrassenkante

Am Militärring, an der östlichen Grenze des Landschaftsparks Belvedere trennt ein Hang zwei Landschaften unterschiedlicher Prägung voneinander. Im Westen die lössbedeckte Mittelterrassenlandschaft (Brauweiler Lössplatte) und im Osten die lössfreie, von Rinnen und der Rheinaue durchzogenen Niederterrassen (Kölner Rheinebene).
Hang und Hangkante entstanden, nachdem sich der Rhein in der letzten Eiszeit zunächst in ältere Ablagerungen eingetieft hatte und dann im besonders kalten Hochglazial erneut aufschüttete.

 

Der Rhein war in der sommerlichen Tauperiode ein Wildwasserfluss mit zahlreichen ineinander verflochtenen Gerinnen. Sein Bett verbreiterte er durch Seitenerosion. Da nach dem Ende der letzten Eiszeit noch eine von zahlreichen Rheinrinnen am Fuß des Terrassenhanges verlief und am Außenrand einer Windung einen Prallhang bildete, wurde der Hang dort weiter steil gehalten.

 

Etwas überspitzt formuliert stehen wir an der Terrassenkante auf den Rheinablagerungen aus der vorletzten Eiszeit und am Prallufer des Rheines aus der letzten Eiszeit. Die endete vor rund 11.000 Jahren.

b | Bandkeramiker

Bandkeramik aus Müngersdorf

Entlang der Hangkante zwischen Bahnhof Belvedere und Gut Vogelsang konnte eine bandkeramische  Siedlung (4500 v. Chr.) nachgewiesen werden. Gefunden wurden vor achtzig Jahren Tonscherben mit typischen Verzierungen sowie Werkzeuge aus der Zeit: ein Steinbeil, Pfeilspitzen und das Bruchstück eines Kratzers. Auf Kölner Gebiet gab es zwischen Deckstein und Müngersdorf sogar fünf solcher Dörfer. Das bekannteste war in Lindenthal, ein anderes sogar mitten in Müngersdorf wo jetzt das Restaurant Aphrodite ist. Schon diese Menschen haben also die „Siedlungsgunst“, wie Wassernähe, Lösserde und die geschützte Lage unserer Gegend erkannt. 

c | Römerhof

1989 ist es gelungen, hier einen römischen Gutshof nachzuweisen, der etwa 200 Jahre von der Mitte des ersten bis ins dritte Jahrhundert existiert hat. Am besten erhalten war die zum Hof gehörende Therme mit allem, was ein Römer zur Entspannung brauchte. Vom Herrenhaus ist leider nur wenig übrig geblieben.
Es gab ferner einen großen Umfassungsgraben, einen Schuppen und einen zugeschütteten Brunnenschacht. Daraus zutage gefördert wurden Fragmente zweier kunstvoll gefertigter Sandstein-Kapitelle, aber auch Tonwaren, eine Pinzette und ein Amphorenhenkel mit der Gravur II. MINEACRETON des Herstellers mit Sitz in Spanien.

d | Jakobspilgerweg

Ungefähr dort, wo heute die erste Etappe unserer Tour verläuft, wanderten schon vor Jahrhunderten Jakobspilger nach Santiago de Compostella. Denn hier entlang führte der große europäische Pilgerweg, von Wuppertal kommend, über Köln und Aachen, Belgien und Frankreich nach Spanien. Die nächsten Ziele der Pilger waren St. Jakobus in Widdersdorf und die Benediktinerabtei in Brauweiler. Neben Jerusalem und Rom war Santiago de Compostella im Mittelalter eines der bedeutendsten Pilgerzentren der christlichen Welt. Die Plakette mit der Jakobsmuschel am Wegesrand erinnert an die uralte Tradition, die heute wiederentdeckt wird und begeisterte Nachahmer findet.

e | Bahnhof Belvedere

Der Bahnhof Belvedere mit Ausflugslokal wurde am 2. August 1839 eröffnet. Architekt war vermutlich der Königliche Bauinspektor Matthäus Biercher (1797-1869), ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Dieses älteste in Deutschland erhaltene Empfangsgebäude war die erste Station der weltweit ältesten internationalen Eisenbahnstrecke Köln-Antwerpen. Deren deutschen Teil (Eiserner Rhein) erbaute 1838-1843 die Rheinische Eisenbahngesellschaft. Der Bahnhof Belvedere soll nach Sanierung und baulicher Erweiterung ein Ort für Kunst, Kultur und Bildung werden, der auch einen besonderen Rahmen für Feste und Feiern bietet. www.bahnhof-belvedere.de

f | Festung Köln

Zwischenwerk Va

Köln erhielt im 19. Jahrhundert unter preußischer Verwaltung neben einem inneren einen äußeren Festungsring (1873 bis 1881) mit 12 Forts und 23 Zwischenwerken auf einer Gesamtlänge von 42 Kilometern. Diesen ließ der amtierende Oberbürgermeister Konrad Adenauer nach dem ersten Weltkrieg nach Plänen von Fritz Schumacher zum Äußeren Grüngürtel umgestalten. Die verbliebene Lücke wurde 2014 mit dem Landschaftspark Belvedere geschlossen. Innerhalb des Parks zeugen das Fort IV im Norden und das Zwischenwerk Va im Süden, außerdem Reste des Infanteriestützpunktes am „Felderblick“ und des Zwischenwerks IVb beim Max-Planck-Institut von der Militärgeschichte.

g | Freiluga

Die Freiluga (Freiluft- und Gartenarbeits-Schule) ist ein einzigartiger Lernort. Sie wurde vor 90 Jahren von Oberbürgermeister Konrad Adenauer beim ehemaligen Zwischenwerk Va gegründet und vermittelt Schülern Kenntnisse rund um die Natur. Das 4,8 Hektar große Gelände ist Lernort und Gegenstand des Lernens in einem. Wiese, Wald und Garten bieten Möglichkeiten für anschaulichen und forschenden Unterricht. Es gibt dort unter anderem Pflanzbeete, einen Bauerngarten, zwei Teiche und ein Gewächshaus. Erlebnisorientierten Unterricht ermöglichen ein Bienenhaus, Hühner und Kaninchen. www.freiluga-schulbio.de | www.freiluga-ev-koeln.de

h | Max-Planck-Institut

Das Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung ist eines von 80 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und erforscht die molekularen Mechanismen an Pflanzen. In einem internationalen Team aus 30 verschiedenen Nationen arbeiten 400 Mitarbeiter, darunter 160 Wissenschaftler und 70 Doktoranden. Schwerpunktthemen der Grundlagenforschung der vier wissenschaftlichen Abteilungen sind Regulation der Blütenbildung und Steuerung des Pflanzenwachstums, das pflanzliche Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern, die genetische Vielfalt innerhalb einer Art sowie Formbildung und Formenvielfalt bei Pflanzen.

i | Hofgut Vogelsang

Die jetzige Anlage stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die eisernen Halte-Anker an der Scheune zeigen die Jahreszahl 1904. Es be-steht indes kein Zweifel, dass der Hof im Ursprung schon im Hoch- bzw. Spätmittelalter bestand. Dafür spricht die Reichhaltigkeit der keramischen Funde aus dem Dung-Auftrag in den angrenzenden Feldfluren, in dem Steinzeug und Tonware aus dem 15. Jahrhundert gut vertreten sind. Der Hof erscheint zudem auf einer Karte des Kölners Abraham Hogenberg von 1610. Heute bewirtschaftet er im Auftrag des MPI die umliegenden Felder und baut auf den fruchtbaren Lössböden u.a. Mais, Raps, Zuckerrüben, Winterweizen und Wintergerste an.

j | Wissenschaftsscheune

In der Wissenschaftsscheune des Max-Planck-Instituts werden Kindern und Schülern aller Altersstufen, aber auch Erwachsenen auf spielerische Weise verschiedene Themen der biologischen Grundlagenforschung vermittelt. An mehreren Plätzen stehen z.B. Mikroskope für Experimente zur Fotosynthese zur Verfügung. Auch kann das Erbmaterial DNA aus Pflanzen mit Mitteln, die im Haushalt zu finden sind, isoliert werden. Zudem wird Gentransfer von Wissenschaftlern demonstriert und gemeinsam diskutiert. Schließlich geht es auch um Zukunftsprobleme wie das Pro und Contra der modernen und globalen Gentechnik. www.wissenschaftsscheune.de

k | Schaugarten

Mit über 100 Kulturpflanzen ist der zur Wissenschaftsscheune gehörende Schaugarten ein Erlebnispark zum Mitmachen. Hier etwa sammeln die Besucher verschiedene kranke Blätter und betrachten die Krankheitserreger unter dem Mikroskop. Ferner werden anhand lebender Pflanzen leicht verständlich die Mendel’schen Gesetze zur Vererbung erklärt, und ein Indianer-Beet demonstriert platzsparendes Pflanzen mit Mais, Bohnen und Kürbis. Angeboten werden spezielle Programme für Gruppen ab acht Personen. Ferner gibt es Ferienangebote, offene Tage und Geburtstagsfeiern. Ein Besuch lohnt sich besonders von Juni bis September. www.wissenschaftsscheune.de

 

Vier-Türme-Tour:

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